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Die Angst des Arztes vor KI

Computer werden besser als Menschen, zum Wohl der Patienten. Auf Zeit online ordnet Frank Schweitzer Herausforderungen und Chancen von KI in der Medizin ein.

von hih

Die Nachricht, die für Existenzangst sorgen wird, kommt von den eigenen Leuten. Die Fachgesellschaft der US-amerikanischen Radiologen prognostiziert der Radiologie, dass sie sich in den nächsten Jahren entscheidend verändern wird. Der Grund: Die Künstliche Intelligenz (KI) wird Einzug halten. Computer werden den Ärzten Arbeit abnehmen, wohl einfach deswegen, weil sie in Zukunft vieles besser können. Etwa auf Bildern von Computer- oder Magnetresonanz-Tomografen gefährliche Tumoren und Lungenentzündungen entdecken – sicherer und schneller als der Radiologe. Ein Grund zur Angst?

Die Fachgesellschaft wiegelt ab. Sie sieht KI eher als Assistenz denn als Konkurrenz des Arztes. Endgültige Diagnosen soll noch immer der Arzt stellen. Aber natürlich wird die Nachricht von der Macht der KI für Unruhe unter den Radiologen sorgen, viele werden befürchten, bald überflüssig zu sein.

Angenommen, die KI würde so gut, so effizient, dass sie Ärzten effektiv helfen könnte. Dann hätten diese mehr Zeit für anderes: Sie könnten sich länger den Patienten widmen. In vielen Bereichen der Medizin könnte es dazu kommen – nicht nur bei den Radiologen (von denen ohnehin viele in Verdacht stehen, seit Jahren nur Röntgenbilder, aber keine Patienten mehr gesehen zu haben).

Der Vorwurf an die heutige Medizin lautet ja, dass sie nur noch eine Gerätemedizin sei. Ärzte würden sich nicht mit ihren Patienten beschäftigen, ihnen nicht zuhören, nicht mit ihnen sprechen. Dieser Vorwurf ist oft berechtigt. Viele Patienten erleben es bei ihren Praxisbesuchen, dass der Arzt kaum Zeit für sie hat. Er ordnet Untersuchungen mit modernsten Apparaten an, statt sich mit ihnen zu unterhalten und nach ihren Beschwerden zu fragen.

Wer im Krankenhaus liegt, sieht oft den Doktor höchstens morgens bei der Visite. Nach wenigen Minuten ist er schon wieder weg. Er muss zum nächsten Patienten, weil die Zeit rennt, weil im Arztzimmer viel Arbeit auf ihn wartet: EKGs auswerten, Blutuntersuchungen einschätzen, Röntgenaufnahmen beurteilen. Und nicht zuletzt: der Papierkram!

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TXT: Jan Schweitzer

Foto Franki Chamaki